Union Audio elara.6: Handgefertigtes Analogue-Flaggschiff im Test

Mit dem elara.6 präsentiert Andy Rigby-Jones' Manufaktur Union Audio ein vollanaloges Boutique-Mischpult für höchste Ansprüche. Ein Blick auf Aufbau, Sound und flexible Modul-Optionen des 6-Kanal-Mixers.

Union Audio elara.6 – Flaggschiff handgemacht
FAZEmag / Originalbeitrag

Handarbeit aus Cornwall Cornwall an einem beschaulichen Morgen. Im schönen Dörfchen Scorrier, nicht allzu weit vom südlichsten Zipfel der Insel entfernt, läuft in einer zweietagigen Werkshalle elektronische Musik aus den Lautsprechern. Eine kleine Manufaktur, bestehend aus weniger als zehn Mitarbeitern, schraubt an Schaltungen, Gehäusen und Meter-Anzeigen. Andere telefonieren mit Vertrieben oder stehen in engem Kontakt mit Künstlern, die neue Mixer testen wollen. Die Halle, die Designs und der neu aufkommende Erfolg des Ganzen stammen aus seiner Feder: Andy Rigby-Jones, früherer Mixer-Designer bei Allen & Heath, PLAYdifferently und MasterSounds. Mr. Rigby-Jones hat mit dem Xone:92 den wohl populärsten DJ-Mixer der elektronischen Musik aller Zeiten designt. Seit ein paar Jahren stellt er in seiner Manufaktur Union Audio Boutique-DJ-Mischpulte her, die noch stärker seiner eigenen Vision folgen. Das scheint gut anzukommen, denn in letzter Zeit sieht man die Union-Audio-Geräte immer öfter. Ich fragte ihn, was einen 300-EUR-Controller denn wirklich von seinen analogen High-End-Mixern unterscheidet – auch um ihn ein bisschen aus der Reserve zu locken. Seine Antwort fand ich spannend, sie ist in der Mai-Ausgabe nachzulesen. Letzten Endes wurde uns der elara.6, das neue Flaggschiff der Clubmixer, zugesendet, um bei einer solchen Frage nochmal näher zu untersuchen, was da wohl der Unterschied ist. Verarbeitung und erster Eindruck Ausgepackt liegt ein Gerät zwischen den Turntables, das so gut wie gar nichts mit einem 300-EUR-Controller zu tun hat. Ach was. Vielmehr liegt ein ultrarobustes Gehäuse vor mir, dem wirklich kein Ungeschick auf der Bühne etwas antun könnte. Alles, was man anfasst, wirkt wertig: die Metall-Potis, die Fader oder die Anschlüsse. Auf der Rückseite ist noch eine kleine Checkliste aus dem Werk zu finden, die „Product Assembly Route Card“. Hier konnte ich nachverfolgen, welcher der sechs technischen Mitarbeiter die Schritte Zusammenbau, Test und Verpackung jeweils abgesegnet hat. Das ist doch mal ein sympathischer Beweis für Handarbeit. Auf den allerersten Blick sehen wir dann einen Mixer, der dem Xone:92 zwar ähnelt, aber nochmal eine Schippe an Wertigkeit drauflegt. Die Ähnlichkeit zum Xone:92 beschreibt Andy Rigby-Jones zurückhaltend als eine bewusste Anlehnung an frühere Designs, was sich an der Oberfläche auch nachvollziehen lässt. Kanalzüge und flexibler Rotary-Umbau Es gibt die vier mittigen Kanalzüge, bestehend aus einem Vierband-EQ, zwei Cues, einem Aux sowie einem Schalter für Phono- oder Line-Vorverstärkung. Dieses Herzstück des Mixers kann aber ganz schnell umgestaltet werden. Als ich Andy Rigby-Jones fragte, ob er persönlich eher Line-Fader oder Rotary-Mixer bevorzugt, sagte er, dass Rotarys zwar eine gewissse Eleganz hätten, er aber keine klare Präferenz habe. Diese Flexibilität in dieser vermeintlich philosophischen Fragestellung scheint auch eine Prämisse beim elara.6 gewesen zu sein. Denn optional dabei ist ein Rotary-Umbau-Set, mit dem man die gesamte Line-Fader-Sektion mit nur zwei Schrauben gegen ihre runden, drehbaren Kollegen austauschen kann. So etwas gibt es sonst nur als Custom-Mod von Bastlern – hier ist es einfach als Nachrüstset für etwa 500 EUR erhältlich. Das Bild wird abgerundet durch zwei Return-Kanalzüge mit EQs, die auch für Mikrofone genutzt werden können, sowie – mein persönlicher Favorit – die Filtersektion an den beiden Rändern der Kanäle. Das Return-System hat dabei ein ziemlich freies Routing, sodass man entscheiden kann, ob man das Return-Signal prefader oder postfader hören möchte. Prefader würde man zum Beispiel nutzen, um eine Effektkette durchgängig zu hören, unabhängig von der trockenen Version auf dem Kanalfader. Mit Postfader ist die Effektstärke abhängig vom Kanalfader und damit eher für akzentuiertere Effekte geeignet. Anschlüsse und Master-Sektion Auch auf der Rückseite des Elara ist alles dabei, was man für einen großen Clubmixer braucht: 4×2 Cinch-Anschlüsse für Zuspieler, vier Masterausgänge (1× Record Out, 2× Mix Out und 1× Booth Out), zwei Aux- und Return-Wege, Mikrofoneingänge und Inserts. Der Insert ist dabei für ein Effektgerät auf dem Master-Channel gedacht und benötigt natürlich ein Insert-Kabel. Mein kurzes Zwischenfazit für einen solchen Test ist, dass man hier natürlich alles findet, was ein Profi-Clubmixer braucht – schließlich bewegen wir uns im obersten DJ-Mixer-Bereich von über 3600 EUR. Hier ist alles handgeschraubt und wird einen wahrscheinlich überleben. Wer den Stil eines analogen Clubmixers mit einem absoluten Fokus auf Klang und Design mag, kommt hier auf seine Kosten. Ein Blick auf die verbauten Teile zeigt, dass wir es hier eigentlich mit dem hochqualitativsten DJ-Mixer auf dem Markt zu tun haben. Kreative Highlights: Analogue Processing, Drive und Width Aber abseits davon gibt es auch mindestens drei kreative Highlights zu entdecken, die günstigere Mitbewerber nicht haben: Zwei davon stecken in den beiden „Analogue Processing“-Kanalzügen. Das sind im Grunde zwei typische analoge Filter, die man den Tracks per Kippschalter zuweisen kann. Die Filter klingen natürlich schön juicy und haben nichts mit diesem grausigen Controller-Klang zu tun. Für mich war es nochmal spannend zu hören, wie warm sie ohne Resonanz klingen und wie hart der Filter zum Singen kommt, wenn man die Resonanz voll aufdreht. So etwas habe ich noch nie bei Pioneer oder Allen & Heath gehört. Dann gibt es da noch die Regler Drive und Width. Drive gab es auch schon in anderen Mixern, aber was hier aus der Verzerrung herauskommt, klingt für mich nochmal anders als zum Beispiel beim Model 1. Bereits beim leichten Aufdrehen landen wir bei einem leicht dickeren, komprimierten Sound. Gibt man Vollgas, sind wir bei richtig starker Zerre und damit bei einem starken Stilmittel für dunklere Spielarten der elektronischen Musik. Beim Test ist mir aufgefallen, dass es auch bei starker Zerrung nicht deutlich lauter wurde und der Mix somit nicht vollständig aus der Balance kam. Ein Blick ins Manual zeigt, dass das sogar absichtlich so ist – eine Schaltung gleicht die Lautstärke nach der Zerre immer mit der Lautstärke davor ab. Als nächstes Highlight kommt der Width-Regler ins Spiel – ein Regler, den es so noch nie auf einem DJ-Mixer gab. Mit ihm kann man Tracks auf sehr subtile Weise Raum geben oder entziehen. Passagen vor Drops in Mono abzuspielen ist sowieso ein kleiner Mastering-Geheimtipp, den man hier einfach für smoothere Übergänge einsetzen kann. Man muss natürlich schauen, ob die Club-PA in manchen älteren Clubs ausschließlich Mono abspielt, aber da tut sich zurzeit sowieso einiges. Auf jedem AP-Strip kommt dann noch der Aux-Regler dazu, mit dem man alles in einen Effekt leiten kann. Der Vorteil dabei: Man kann direkt Gruppen verschiedener Tracks bilden, die zusammen in einen Effekt-Loop laufen und nur über einen Regler – nämlich den Aux-Send des AP – kontrolliert werden. Für mich war es gerade das Zusammenspiel von Drive, Width und einem Delay-Pedal, das mich unfassbar kreativ mixen ließ. Man kann den Mix damit stark formen, aber auf eine subtilere, elegantere Art als die Pioneer-Effekt-Kirmes. Man arbeitet hier eher mit den Grundparametern eines Tracks selbst, anstatt „künstliche“ Filter anzuwenden. High-End-Features und Klangtest Kleiner Hack: Beim Ausschalten des AP-Kanalzugs knackt es – anders als bei so manchen Mitbewerbern – nicht im Audio, was einfach ein weiterer High-End-Punkt ist. Der Hauptkopfhörer-Ausgang bietet außerdem die Option, Tracks Post-EQ zu hören, also so, wie sie wirklich reinkommen – ein Feature, das bei vielen anderen Clubmixern seit Jahren nicht möglich ist. Somit sind wir an einem Punkt, an dem man sich entscheiden muss. Ein elara.6 ist auf keinen Fall ein Massenprodukt. Freunde, die mit Controllern jedes Wochenende auf Raves in Industriegebieten unterwegs sind, werden sich diesen Mixer vermutlich nicht zulegen. Für audiophile Clubs, Festivals, Listening-Bars oder DJs mit hohem Anspruch an Klang, Haptik und Langlebigkeit sehe ich ihn dagegen sehr wohl. Vor allem wirkt der elara.6 wie ein angenehm nachhaltiger Gegenentwurf zu jährlich neu erscheinenden Produktgenerationen anderer Hersteller. Dieses Gerät ist definitiv nicht darauf ausgelegt, nach zwei Saisons veraltet zu wirken. Entscheidend wird für viele am Ende natürlich der Klang sein. Beim Testen war es deshalb wichtig, gutes Grundmaterial zu verwenden. Ich versuchte es mit zwei Basic-Channel-Platten. Auf dieser Basis klang der elara.6 im Vergleich zu meinem anderen, sehr verbreiteten Clubstandard-Mixer tatsächlich mehrere Stufen weicher und druckvoller. Zusammen mit dem Klang der kreativeren Effekte – EQ, Filtern, Drive und Width – ist das eine runde Sache, die ihresgleichen sucht. Text: Bastian Gies

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