Die Platten der Woche mit Joseph, Ma Sha, Roman Flügel, Ricardo Villalobos und The Exaltics

Unsere Platten der Woche kommen diesmal von Joseph, Mah Sha, Roman Flügel, Ricardo Villalobos und The Exaltics.

Die Platten der Woche mit Joseph, Ma Sha, Roman Flügel, Ricardo Villalobos und The Exaltics
GROOVE Reviews / Originalbeitrag

ReviewsSingle

10. Juli 2026

Alle Ausgaben der Platten der Woche findet ihr hier.

Joseph – B4u & Tripidi EP (Pampa)

Es dürfte den meisten GROOVE-Leser:innen geradezu unglaublich erscheinen, dass das Label Pampa an mir ziemlich vorbeigegangen ist. Ohne Absicht, vermutlich liegt es schlicht an der Masse der täglich erscheinenden Musik – es kann einfach nicht alles gecheckt werden. Umso besser ist diese Situation für Joseph – und das Label. Hier spricht kein alter Fan, kein Follower. Sondern einer, der diese beiden Stücke wirklich gut findet und beim ersten Hören eine spontane Schreibtischparty gefeiert hat, was selten vorkommt! „B4u” überrascht mit einer Wendung in ungewohnt schräges tonales Gebiet. Eben dominierte noch eine hübsch sentimentale Melodie, dann bricht ein perkussiv eingesetzter Ton außerhalb der als nett empfundenen Skala die Stimmung, und dieses Wechselspiel prägt fortan den Track und hebt ihn ab von gängigem DJ-Futter. „Tripidi” entpuppt sich als Premium-Peaktime-Tool, unterschlägt nach endlosem Spannungsaufbau aber schlitzäugig die Erlösung. Subtext: Lass‘ dir was einfallen, DJ! Mathias Schaffhäuser Embed

Ma Sha – Hexacorallia (Nerve Collect)

Mit Hexacorallia debütiert die New Yorker DJ, Produzentin und Kindergarten-Records-Gründerin Ma Sha auf dem niederländischen Label Nerve Collect . Die EP verbindet UK-geprägte Clubrhythmen mit futuristischem Sounddesign und lässt die insgesamt fünf Tracks so wirken, als würden vertraute Clubstrukturen unter Hochspannung gesetzt und anschließend mit einer Überdosis elektrischer Energie wieder zusammengeführt werden. Schon „Total Energy” macht seinem Namen alle Ehre. Rollende Drums, vibrierende Synths und maschinell pulsierende Sequenzen schieben den Track unaufhaltsam nach vorn. UK-inspirierte Rhythmik trifft auf einen neurotischen Soundentwurf, der weniger auf klassischen Druck als auf permanente Bewegung setzt. „Salpa” öffnet anschließend den Raum. Heller, melodischer und beinahe euphorisch schrauben sich verzerrte Frauenstimmen durch housigere Grooves, während psychedelische Klangfarben den Track in einen hypnotischen Schwebezustand versetzen. Danach verdunkelt sich die Stimmung. „Spinmachine” stampft industriell voran, während „Gillz” Breakbeats, schweren Bass und geisterhafte Vocals zu einem düsteren Kontrast vereint. In Zusammenarbeit mit Hodge steigert Ma Sha auf „Shots” die Intensität schließlich bis an den Rand des Kontrollverlusts: klappernde Drums, metallische Sounds und ständig neue Klangfragmente verdichten sich zu hypnotischem Chaos, dessen Energie sich mit jeder Minute steigert. Die Rhythmen beschleunigen gefühlt immer weiter, ohne jemals auseinanderzufallen – ein Track, der den Dancefloor gleichzeitig überfordert und magnetisch anzieht. Anne Holzki Embed

Ricardo Villalobos x goat – Without References / Cindy van Acker (Ricardo Villalobos Variations) (Latency)

Das Pariser Luxus-Nischen-Label Latency bittet zum intellektuellen Endgegnerduell in den Whitecube. Klar, dass da alle weltgewandt nicken, im exakt gleichen, minimalistischen Vierteltakt ihren Kopf nach vorne schieben, weil das so einfach mehr nach Spaß aussieht. Was ja passt: Die japanischen Echtzeitmusikanten von goat \(jp\) liefern kahlrasierte Rhythmusgerippe, die sie für die Generation Kunsthalle ausgehöhlt haben. Weil da aber immer noch zu viel dran- und also runterhängt, schnippelt Ricardo Villalobos freudig daran rum. Da verabschiedet sich der trommelkreiselnde Brutalismus, dort die nach Druckerschwärze müffelnde Wire-Pädagogik. Die Minimalreste tunkt er in die Hypnosesauce und, huch: Schon hat man einen ziemlich guten Soundtrack, um in einem seligen Sichtbetonbau ausdruckslos an einer Wand zu lehnen und den Kopf im Vierteltakt nach hinten zu schieben. Bis man dann, ungefähr nach Minute sieben, doch nicht anders kann und performativ mithüpft. Christoph Gleich Embed

Roman Flügel – Dusty Jukebox (Running Back)

Seit mehr als drei Jahrzehnten gehört Roman Flügel zu den konstantesten Größen der elektronischen Musik. Ob House, Techno, Electro oder Ambient – der DJ und Produzent bewegt sich mühelos zwischen den Genres, ohne jemals seine eigene Handschrift zu verlieren. Unter anderem mit Veröffentlichungen wie Geht’s noch? , Garden Party oder Eating Darkness hat er sich seinen Ruf als Produzent erarbeitet. Nun kehrt Flügel mit Dusty Jukebox auf Gerd Jansons Label Running Back zurück. Der erste Track „Horns”https://romanfluegel.bandcamp.com/track/hornsnimmt keine Umwege. Eine trockene Tech-House-Bassline, scharfe Claps und Snares schieben sofort Richtung Peaktime. Darüber schrauben sich atonale Synthesizer immer weiter nach oben, bauen Druck auf, brechen wieder ein und setzen erneut an. Den Break trägt eine eingängige Melodie, bevor sich neue Synth-Layer drüberlegen. Erst ganz zum Schluss klimpert ein Piano durch den Hintergrund. Auf die im Titel versprochenen Hörner wartet man allerdings vergeblich. Stattdessen klingt „Horns” roh, ravig und angenehm ungeschliffen – als hätte Flügel die etwas verwilderte Schwester des Kitschs ins Studio eingeladen. Der Titeltrack nimmt Tempo aus der EP. Die Snares klingen aus der Ferne wie sanfte Peitschenhiebe, während eine fragile Melodie wie das elektrische Flackern einer verstaubten Maschine vor sich hin trabt. Darunter wabern warme Electro-Sounds durch den Track, als würden kleine Stromimpulse die Jukebox am Leben erhalten. „If You’ll Ever Know” wechselt anschließend in wärmeren House, getragen von breiten Synths und gezupften Akkorden, die fast an eine Laute erinnern. Zum Schluss stehen auf „You’ve Failed But That’s Okay” eine progressive Bassline und eine sich selbst wiederholende Synth-Melodie, bevor ein Piano-Break die Grundstimmung des Tracks in überraschend optimistischer Stimmung ausklingen lässt. Vier Tracks, vier Stimmungen – und in jeder unverkennbar Roman Flügel. Johanna Lühr Embed

The Exaltics – A New Chapter \(Clone West Coast Series\)

Machen wir’s an dieser Stelle kurz: The Exaltics ist sicherlich einer der besten Electro-Producer überhaupt. Warum? Weil seine Tracks nicht nur unglaublich fein ausproduziert sind und mit absurdem Druck gen Weltall strömen, sondern weil seine Tracks mehr Reisecharakter haben als jeder Katy-Perry-Flug in die Gestirne. „Fades”, der letzte Track, etwa: Szenischer hat seit Drexciya niemand mehr Electro angelegt, es ist, als schrubbte die Crew beim Flug über einen Exoplaneten etwas zu ambitioniert die Fenster des Raumschiffs. Ebenso der Titeltrack, der spitzen Synths und einem schlicht irre schönen Melodielauf, der große Entdeckungen verspricht, alles aus dem begrenzten Electro-Vokabular herausholt. Auch dazwischen alles klasse, gerade weil’s mal nicht nur zwanghaft düsterer Electro ist. Maximilian Fritz Embed In diesem Text Weiterlesen

Die Platten der Woche mit Carlos Nilmmns, Der Zyklus, FaltyDL, Piezo und Saved My Life

Die Platten der Woche kommen in dieser Woche von Carlos Nilmmns, Der Zyklus, FaltyDL, Piezo und Saved My Life.

16. Juli 2026

https://groove.de/2026/07/21/wiener-linien-dieser-rave-findet-in-einer-u-bahn-station-statt/

Wiener Linien: Dieser Rave findet in einer U-Bahn-Station statt

https://groove.de/2026/07/16/die-platten-der-woche-mit-carlos-nilmmens-der-zyklus-faltydl-piezo-und-saved-my-life/

Die Platten der Woche mit Carlos Nilmmns, Der Zyklus, FaltyDL, Piezo und Saved My Life

16. Juli 2026

Die Platten der Woche kommen in dieser Woche von Carlos Nilmmns, Der Zyklus, FaltyDL, Piezo und Saved My Life. Weiterlesen https://groove.de/2026/07/16/mixe-des-monats-juli-2026/

Mixe des Monats: Juli 2026

Mix

16. Juli 2026

Unsere Mixe des Monats im Juli kommen von Sphere Radio, Lily Ackerman, Matze Sampler, Reflex Blue und Scotia. Weiterlesen https://groove.de/2026/07/09/das-kappa-futur-2026-im-rueckblick-der-pool-nudel-ein-technobrett-vor-die-stirn-nageln/

Das Kappa Futur 2026 im Rückblick: Der Pool-Nudel ein Technobrett vor die Stirn nageln

Festivals & Konzerte

9. Juli 2026

Kaum ein Festival bildet die elektronische Musiklandschaft so umfassend ab wie das Drei–Tages-Event im Parco Dora im italienischen Turin. In unserem Nachbericht erfahrt ihr unter anderem, wie man damit fertig wird, zwischen Peggy Gou und Jane Fitz wählen zu müssen. Weiterlesen https://groove.de/2026/07/03/die-platten-der-woche-mit-carmen-villain-function-luca-lozano-travis-or-alice-und-trevor-dale/

Die Platten der Woche mit Carmen Villain, Function, Luca Lozano, Travis or Alice und Trevor Dale

3. Juli 2026

Die Platten der Woche – mit Reviews zu Carmen Villain, Function, Luca Lozano, Travis or Alice und Trevor Dale. Alle Ausgaben der Platten der Woche findet ihr hier. Joseph – B4u & Tripidi EP (Pampa) Es dürfte den meisten GROOVE-Leser:innen geradezu unglaublich erscheinen, dass das Label Pampa an mir ziemlich vorbeigegangen ist. Ohne Absicht, vermutlich liegt es schlicht an der Masse der täglich erscheinenden Musik – es kann einfach nicht alles gecheckt werden. Umso besser ist diese Situation für Joseph – und das Label. Hier spricht kein alter Fan, kein Follower. Sondern einer, der diese beiden Stücke wirklich gut findet und beim ersten Hören eine spontane Schreibtischparty gefeiert hat, was selten vorkommt! „B4u” überrascht mit einer Wendung in ungewohnt schräges tonales Gebiet. Eben dominierte noch eine hübsch sentimentale Melodie, dann bricht ein perkussiv eingesetzter Ton außerhalb der als nett empfundenen Skala die Stimmung, und dieses Wechselspiel prägt fortan den Track und hebt ihn ab von gängigem DJ-Futter. „Tripidi” entpuppt sich als Premium-Peaktime-Tool, unterschlägt nach endlosem Spannungsaufbau aber schlitzäugig die Erlösung. Subtext: Lass‘ dir was einfallen, DJ! Mathias Schaffhäuser Ma Sha – Hexacorallia (Nerve Collect) Mit Hexacorallia debütiert die New Yorker DJ, Produzentin und Kindergarten-Records-Gründerin Ma Sha auf dem niederländischen Label Nerve Collect . Die EP verbindet UK-geprägte Clubrhythmen mit futuristischem Sounddesign und lässt die insgesamt fünf Tracks so wirken, als würden vertraute Clubstrukturen unter Hochspannung gesetzt und anschließend mit einer Überdosis elektrischer Energie wieder zusammengeführt werden. Schon „Total Energy” macht seinem Namen alle Ehre. Rollende Drums, vibrierende Synths und maschinell pulsierende Sequenzen schieben den Track unaufhaltsam nach vorn. UK-inspirierte Rhythmik trifft auf einen neurotischen Soundentwurf, der weniger auf klassischen Druck als auf permanente Bewegung setzt. „Salpa” öffnet anschließend den Raum. Heller, melodischer und beinahe euphorisch schrauben sich verzerrte Frauenstimmen durch housigere Grooves, während psychedelische Klangfarben den Track in einen hypnotischen Schwebezustand versetzen. Danach verdunkelt sich die Stimmung. „Spinmachine” stampft industriell voran, während „Gillz” Breakbeats, schweren Bass und geisterhafte Vocals zu einem düsteren Kontrast vereint. In Zusammenarbeit mit Hodge steigert Ma Sha auf „Shots” die Intensität schließlich bis an den Rand des Kontrollverlusts: klappernde Drums, metallische Sounds und ständig neue Klangfragmente verdichten sich zu hypnotischem Chaos, dessen Energie sich mit jeder Minute steigert. Die Rhythmen beschleunigen gefühlt immer weiter, ohne jemals auseinanderzufallen – ein Track, der den Dancefloor gleichzeitig überfordert und magnetisch anzieht. Anne Holzki :::embed Ma Sha auf SoundCloud https://soundcloud.com/masha-ny

::: Ricardo Villalobos x goat – Without References / Cindy van Acker (Ricardo Villalobos Variations) (Latency) Das Pariser Luxus-Nischen-Label Latency bittet zum intellektuellen Endgegnerduell in den Whitecube. Klar, dass da alle weltgewandt nicken, im exakt gleichen, minimalistischen Vierteltakt ihren Kopf nach vorne schieben, weil das so einfach mehr nach Spaß aussieht. Was ja passt: Die japanischen Echtzeitmusikanten von goat (jp) liefern kahlrasierte Rhythmusgerippe, die sie für die Generation Kunsthalle ausgehöhlt haben. Weil da aber immer noch zu viel dran- und also runterhängt, schnippelt Ricardo Villalobos freudig daran rum. Da verabschiedet sich der trommelkreiselnde Brutalismus, dort die nach Druckerschwärze müffelnde Wire-Pädagogik. Die Minimalreste tunkt er in die Hypnosesauce und, huch: Schon hat man einen ziemlich guten Soundtrack, um in einem seligen Sichtbetonbau ausdruckslos an einer Wand zu lehnen und den Kopf im Vierteltakt nach hinten zu schieben. Bis man dann, ungefähr nach Minute sieben, doch nicht anders kann und performativ mithüpft. Christoph Gleich Roman Flügel – Dusty Jukebox (Running Back) Seit mehr als drei Jahrzehnten gehört Roman Flügel zu den konstantesten Größen der elektronischen Musik. Ob House, Techno, Electro oder Ambient – der DJ und Produzent bewegt sich mühelos zwischen den Genres, ohne jemals seine eigene Handschrift zu verlieren. Unter anderem mit Veröffentlichungen wie Geht’s noch? , Garden Party oder Eating Darkness hat er sich seinen Ruf als Produzent erarbeitet. Nun kehrt Flügel mit Dusty Jukebox auf Gerd Jansons Label Running Back zurück. Der erste Track „Horns” nimmt keine Umwege. Eine trockene Tech-House-Bassline, scharfe Claps und Snares schieben sofort Richtung Peaktime. Darüber schrauben sich atonale Synthesizer immer weiter nach oben, bauen Druck auf, brechen wieder ein und setzen erneut an. Den Break trägt eine eingängige Melodie, bevor sich neue Synth-Layer drüberlegen. Erst ganz zum Schluss klimpert ein Piano durch den Hintergrund. Auf die im Titel versprochenen Hörner wartet man allerdings vergeblich. Stattdessen klingt „Horns” roh, ravig und angenehm ungeschliffen – als hätte Flügel die etwas verwilderte Schwester des Kitschs ins Studio eingeladen. Der Titeltrack nimmt Tempo aus der EP. Die Snares klingen aus der Ferne wie sanfte Peitschenhiebe, während eine fragile Melodie wie das elektrische Flackern einer verstaubten Maschine vor sich hin trabt. Darunter wabern warme Electro-Sounds durch den Track, als würden kleine Stromimpulse die Jukebox am Leben erhalten. „If You’ll Ever Know” wechselt anschließend in wärmeren House, getragen von breiten Synths und gezupften Akkorden, die fast an eine Laute erinnern. Zum Schluss stehen auf „You’ve Failed But That’s Okay” eine progressive Bassline und eine sich selbst wiederholende Synth-Melodie, bevor ein Piano-Break die Grundstimmung des Tracks in überraschend optimistischer Stimmung ausklingen lässt. Vier Tracks, vier Stimmungen – und in jeder unverkennbar Roman Flügel. Johanna Lühr The Exaltics – A New Chapter (Clone West Coast Series) Machen wir’s an dieser Stelle kurz: The Exaltics ist sicherlich einer der besten Electro-Producer überhaupt. Warum? Weil seine Tracks nicht nur unglaublich fein ausproduziert sind und mit absurdem Druck gen Weltall strömen, sondern weil seine Tracks mehr Reisecharakter haben als jeder Katy-Perry-Flug in die Gestirne. „Fades”, der letzte Track, etwa: Szenischer hat seit Drexciya niemand mehr Electro angelegt, es ist, als schrubbte die Crew beim Flug über einen Exoplaneten etwas zu ambitioniert die Fenster des Raumschiffs. Ebenso der Titeltrack, der spitzen Synths und einem schlicht irre schönen Melodielauf, der große Entdeckungen verspricht, alles aus dem begrenzten Electro-Vokabular herausholt. Auch dazwischen alles klasse, gerade weil’s mal nicht nur zwanghaft düsterer Electro ist. Maximilian Fritz

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